OCT - Intrakoronare Bildgebung

Optische Kohärenz-Tomographie (OCT): Neues Verfahren zur Untersuchung der Gefäßwand von Herzkranzarterien


Durch direkte Gabe von Kontrastmittel (sog. Angiographie in der Herzkatheteruntersuchung) können Verengungen der Herzkranzgefäße bereits seit vielen Jahren verlässlich nachgewiesen werden. Diese Verengungen beruhen in der Regel auf Fettablagerungen, Verkalkungen oder Narbengewebe und können in stabile oder instabile Veränderungen unterteilt werden. Dabei bergen die instabilen Läsionen eine erhöhte Gefahr für einen Einriss oder ein Aufbrechen mit nachfolgender Blutgerinnselbildung, was schließlich zur Ausbildung eines Herzinfarktes führen kann.

Mittels der heute verfügbaren intrakoronaren Bildgebungsverfahren kann heute eine genaue Analyse dieser Gefäßwandveränderungen im Querschnitt (sog. virtuelle Histologie) erfolgen, so dass die aktuellen und neuen Behandlungsverfahren im Herzkatheter optimal darauf abgestimmt werden können.

 

Welche intrakoronaren Bildgebungsverfahren stehen zur Verfügung?

Es gibt heute zwei etablierte Methoden um das Innenlumen von Gefäßen darzustellen: Ein Ultraschall-basiertes Verfahren (sog. IVUS) und ein Infrarotlicht-basiertes Verfahren (sog. OCT).

 

Was passiert während der Untersuchung?

Sowohl OCT als auch IVUS werden während einer normalen Herzkatheteruntersuchung als schnelle und völlig schmerzfreie Ergänzung durchgeführt. Der Patient merkt dabei von der Untersuchung selbst fast gar nichts. Es ist lediglich notwendig, dass er wie auch während der restlichen Herzkatheteruntersuchung ruhig auf dem Rücken liegt. Der untersuchende Arzt erklärt während der gesamten Prozedur die durchgeführten Untersuchungsschritte und kann auf dem Bildschirm die aufgenommenen Bilder sofort beurteilen und auswerten. Eine IVUS-Untersuchung dauert in der Regel wenige Minuten, die OCT-Untersuchung nur einige Sekunden.

 

Gibt es eine zusätzliche Belastung für den Körper?

Die Positionierung der OCT- oder IVUS-Katheter im Gefäß erfolgt in der Regel ohne zusätzliche Kontrastmittelgabe. Während der OCT-Untersuchung selbst wird eine geringe Menge an Kontrastmittel (ca. 10-20ml)  in das betroffene Herzkranzgefäß appliziert, um die hohe Bildqualität zu ermöglichen. Die Auflösung der OCT-Bildsequenzen ist dabei ca. zehnmal höher als die der IVUS-Bildsequenzen.

 Abb1 Abb2

 IVUS

axiale Auflösung 100-150µm

 

OCT

axiale Auflösung 10-20µm

 

Ein weiterer Vorteil der OCT ist, dass durch die genaue Darstellung der Gefäßwandveränderungen die Anzahl der notwendigen Angiographie-Aufnahmen und die damit verbundene Röntgen-Strahlung und Kontrastmittelmenge häufig reduziert werden können.

 

Was wird mit der OCT untersucht und welchen Einfluss hat die Untersuchung auf die Behandlung?

 

Die einfache Handhabung und  anwenderfreundliche Beurteilung der Bildsequenzen machen die OCT für eine breitere klinische Anwendung in all den Situationen interessant, in denen die konventionelle angiographische Bildgebung Limitationen aufweist. Mittels OCT wird die Identifikation von Gefäßwandveränderungen (Ablagerungen, Gerinnsel oder Risse der Gefäßinnenschicht) und die Beurteilung des Gefäßlumens in höchster Bildqualität ermöglicht. Daneben können Gefäßerkrankungen bereits im Frühstadium anhand von Fett- oder Kalkablagerungen, sowie Verdickung einzelner Wandschichten nachgewiesen und ggf. bereits frühzeitig medikamentös behandelt werden. Insbesondere diese Frühveränderungen sind häufig mit der normalen Herzkatheteruntersuchung allein nicht erkennbar.

 

 Abb3 Abb4

Auch bei herztransplantierten Patienten, die in der Regel keine Brustschmerzen (sog. Angina pectoris) empfinden, kann das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung oder der sog. Transplantatvaskulopathie bereits im Frühstadium mittels OCT diagnostiziert werden.  

Bei komplexen Koronareingriffen kann die genaue Beurteilung der Größe, Lage und Positionierung eines Koronarstents mittels OCT erreicht werden. Dadurch lässt sich der Erfolg einer Ballonerweiterung oder das Einsetzen eines Stents im Herzkatheter für den Patienten völlig schmerzfrei und direkt in Echtzeit überwachen.

  

Abb5 Abb6

 

Aufgrund der extrem hohen räumlichen Auflösung der OCT-Aufnahmen ist es zudem möglich, den Grad des Einwachsens der Stentstreben zu beurteilen. Dadurch kann unter Umständen auch eine frühzeitige Beendigung der dualen Thrombozytenaggregationshemmung mittels Clopidogrel (Plavix®), Prasugrel (Efient®) oder Ticagrelor (Brilique®) ermöglicht werden. Hierdurch kann das Blutungsrisiko nach Stent-Implantation bei den meisten Patienten oftmals deutlich reduziert werden.

Neben Patienten mit komplexen Koronarerkrankungen profitieren dabei vor allem auch diejenigen Patienten, die mit den neuen bioresorbierbaren (auflösbaren) Koronarstents (sog. „Biostent“, z.B. Absorb®) behandelt wurden, da diese Stents häufig durch die alleinige Angiographie im Herzkatheter nicht mehr ausreichend beurteilbar.

   

Für weitere Fragen stehen Ihnen gerne unsere Ärzte im Herzkatheterlabor zur Verfügung:

 

Dr. med. Christoph Brenner

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Christoph.Brenner@med.uni-muenchen.de

 

Prof. Dr. med. Julinda Mehilli

Leitende Oberärztin, Leitung Herzkatheterlabor

Julinda.Mehilli@med.uni-muenchen.de

 

 

 
 

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